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Das Tiny House im Seecontainer

Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich Tiny Houses in um- und ausgebauten Seecontainern. Diese versprechen nicht nur einen „einfachen“ Transport, sondern auch ausreichende Stabilität. Gleichzeitig ist der scheinbar schwierigste Teil, die Errichtung einer Außenhaut für das neue Haus, schon erledigt.

Schauen wir uns das Containerhaus als solches also einmal aus der Nähe an.

In welchen Größen gibt es Seecontainer?

Seecontainer gibt es in vielen Größen und Variationen, welche in der ISO Norm 668 festgelegt wurden. Am weitesten verbreitet sind allerdings zwei Größen: 20 und 40 Fuß. Zudem gibt es zwei Höhen: Normal und „High Cube“. Daraus ergibt sich folgende Größen- und Volumentabelle:

BezeichnungMaße (innen)GrundflächeVolumen
20 Fuß5,898 x 2,352 x 2,39013,88 m233,1 m3
20 Fuß High Cube5,898 x 2,352 x 2,69013,88 m237,4 m3
40 Fuß12,032 x 2,352 x 2,39528,37 m267,7 m3
40 Fuß High Cube12,032 x 2,352 x 2,69828,37 m276,4 m3

Während es im 20 Fuß Container schon sehr eng zugeht, erlaubt der 40 Fuß Container doch einiges mehr an Bewegung. Hier muss die Inneneinrichtung jedoch viel leisten, um die extreme Schlauchform abzufangen oder aufzulösen.

Der Unterschied zwischen normalem und High Cube Container beträgt in der Höhe etwa 30 Zentimeter. Das kann zum einen zu einem besseren Raumgefühl führen und erlaubt zum anderen auch mehr Stauraum, zum Beispiel im Boden des Containers. Für eine zweite Etage jedoch reicht es nicht.

Was kostet ein Container?

Auf den einschlägigen Webseiten bekommt man schnell einen Überblick über die aktuellen Marktpreise für Container.

Neuwertig liegt ein 40 Fuß Container bei um die 5000 Euro. Die kleine 20 Fuß Version kostet um die 3000 Euro.

Gebrauchte Container gibt es je nach Zustand deutlich günstiger. Da kann dann auch das 40 Fuß Modell schon mal für unter 2000 Euro im Angebot sein.

Neu oder gebraucht kaufen?

Da ein Seecontainer ja in der Theorie nahezu unzerstörbar ist, scheint es bei diesen Preisunterschieden naheliegend für das eigene TinyHouse einen gebrauchten Container zu nehmen. Sozusagen „mit Geschichte“.

Leider kann genau diese „Geschichte“ eines Containers zum Problem werden, denn es wird nirgendwo festgehalten, wann was in genau diesem Container um die Welt geschippert ist. Genau so wenig wie „Unfälle“ mit dem entsprechenden Container dokumentiert werden. Das kann von einfachen Sachen wie „Öl ausgelaufen“, bis hin zu chemischen oder gar leicht atomaren Abfällen gehen, die in diesem Container unterwegs waren und unter Umständen ihre Spuren hinterlassen haben. Bis zu 20 % der Container sollen belastet sein. Auch Reinigungs- und Anti-Schimmel-Mittel hinterlassen ihre Spuren in diesen Containern.

Wenn der Container zuvor einer der großen Frachtgesellschaften gehörte, lässt sich über die Webseite von Searates wenigstens manchmal abrufen, wo der Container zuletzt im Einsatz war.

Wer aber in einen Container ziehen möchte, für den geht unserer Meinung nach kaum ein Weg an neuen Containern vorbei. Der Aufpreis sollte einem die eigene Gesundheit wert sein.

Einfach abstellen?

„Ich lasse mir den Container einfach auf die Wiese stellen und gut ist“ ist leider auch eine häufige Fehlannahme. denn bei einem Leergewicht von 2,4 Tonnen (in der 20 Fuß Version), beziehungsweise 4 Tonnen (des 40 Fuß Containers) braucht es mittelfristig schon irgendeine Art von Fundament und/oder ordentlich verdichtetem Boden. Sonst besteht die Gefahr, dass der Container entweder einsackt oder vielleicht auch bei Gefälle wegrutscht.

Und jetzt: Fenster rein!

Die Idee ist ganz einfach: Die Außenhaut steht, der Schneidbrenner macht den Rest, wenn es um das Platzieren von Türen und Fenstern geht. Zumindest theoretisch ist es so einfach, jedoch nur dann, wenn man in Zukunft nicht mehr plant, besagten Container viel zu bewegen. Soll er immer mal wieder den Platz wechseln, oder sogar eine Seepassage antreten, wird es schon schwieriger. Denn dann können die Löcher in der Außenhaut zu strukturellen Problemen führen. Der Rahmen des Containers kann sich also verbiegen oder im schlimmsten Falle sogar brechen. Fenster, die direkt mit der Containerhaut verschraubt sind, können dabei brechen, Türen können sich verziehen.

Die Lösung können Container sein, die bereits fertige Türen haben, sowohl vorne und hinten, als zum Beispiel auch an der Seite. Diese Stahltüren und Rahmen sind für die Belastung ausgelegt. Am Aufstellungsort kann man diese dann öffnen und es kommen dahinter die normalen Fenster und Türen zum Vorschein.

Problem: Ausreichende Isolierung

Ein großes Problem wird bei Containerhäusern allerdings schnell vergessen. Diese sind aus Stahl gefertigt. Mit genau den thermischen Problemen, die dieses Material mit sich bringt. Das heißt im Winter kommt die Kälte schnell über die Wände ins Haus rein und im Sommer geht die Hitze den selben Weg. Gerade wenn die Sonne auf einen Container draufknallt, entwickelt sich dieser im inneren schnell zur Sauna. Ein Aufstellungsort unter einen großen schattigen Baum ist also absolute Pflicht, erlaubt aber dann kaum noch die Verwendung einer Solaranlage auf dem Dach.

Egal wie man es macht: Beim Ausbau muss unbedingt eine ausreichend dicke Isolierung mit eingeplant werden. Zu beachten dabei: Da die Isolierung nur innen möglich ist, verringert sich dadurch die Grundfläche entsprechend der Wanddicke.

Achtung: Der Container ist Diffusionsgeschlossen

Als Diffusion bezeichnet man die Möglichkeit von Gasen und Stoffen einander zu durchdringen. Für einen Container, der auf Grund seiner Stahlhaut keine Diffusion erlaubt, bedeutet dies, dass sämtliche Gase, aber auch Feuchtigkeit darin gefangen ist.

Da Feuchtigkeit sich an kalten Flächen niederschlägt, kann das wieder zu Problemen mit der Isolierung führen. Denn wenn diese zu lange feucht ist, kann sich Schimmel bilden.

In einem Containerhaus sind Möglichkeiten zum regelmäßigen Lüften oder andere Luftentfeuchtungsmaßnahmen also ein absolutes Muss. 

Wie sieht sowas denn aus?

Bei YouTube finden sich viele Beispiele für Tiny Houses auf Containerbasis. Ein paar Beispiele haben wir für euch zusammen gestellt.

Viele weitere Beispiele lassen sich mit einer kleinen Google Suche finden.

Fazit

Der Bau eines Tiny Houses im Schiffscontainer ist verlockend, jedoch gibt es einige Hürden und Problemstellungen zu beachten, damit ein Leben in den eigenen vier Stahlwänden möglich und auch angenehm wird.

ImageCredit Titelbild: distel2610 @ Pixabay.com

Kategorie:Bauen, Tiny House
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