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11 gute Gründe gegen ein „Tiny House on Wheels“

Ich gebe es ganz offen zu, ich bin kein Freund des „Tiny House on Wheels“ (THOW), also jenes klassischen Konzeptes des Tiny Houses wie wir es aus dem englischen Sprachraum kennen. Denn diese Form hat meiner Meinung nach deutlich zu viele Nachteile, gegenüber einem „echten“ kleinen Haus.

Gerne will ich euch diese Gründe einmal hier aufzählen:

  1. Gesamtgewicht: Das „Tiny House on Wheels“ darf, soll es in Deutschland mit dem Führerschein BE gefahren werden maximal 3,5 Tonnen auf die Wage bringen. In den meisten Fällen erreichen die Häuser dieses Gewicht bereits ohne Zuladung (Klamotten, etc.). Möchte man mit dem THOW also umziehen muss der Hausrat extra transportiert werden.
  2. Abmessung: Ein Anhänger der ohne Sondergenehmigung auf deutschen Straßen fahren soll, muss sich an die Maximalmaße der StVZO halten. Das sind 2,55 Meter Breite und 4 Meter Höhe. Mit den typischen Anhängerkonstruktionen wird daraus ein 7-9 Meter langer Schlauch.
  3. Isolierung: Tiny Houses sind bekannt für ihre sehr guten Isolationswerte, welche die Vorgaben für „normale“ Häuser meistens noch übertreffen. Unnötig schwierig wird es aber, wenn man das Haus auf einem Trailer hat. Dann hat die Kälte im Winter problemlos eine weitere Angriffsfläche. Das gleiche gilt natürlich auch für die relativ frei liegenden Ver- und Entsorgungsleitungen.
  4. Gewichtsverteilung: Bereits beim Bau des Tiny House on Wheels und bei dessen Einrichtung (Hochbett, Küche, etc.) muss auf die gleichmäßige Verteilung der Last geachtet werden, damit das THOW nicht vorne, hinten, links oder rechts Übergewicht bekommt. Das schränkt den Ausbau wiederum ziemlich ein.
  5. Sicherheitsglas: Soll das THOW auf der Straße bewegt werden benötigt ihr Sicherheitsglas. Wollt ihr darin wohnen sollte es Verbundglas sein. Die Kombination ist dann noch einmal extra teuer.
  6. Verkehrssicherheit: Wer einen Anhänger hat und diesen im Verkehr bewegen will muss sich regelmäßig um dessen Verkehrssicherheit kümmern. Das bedeutet aber nicht nur regelmäßig beim TÜV vorbeizuschauen und Steuern zu zahlen, sondern zum Beispiel auch den Wagen am Stellplatz aufzubocken um die Reifen zu entlasten.
  7. Auto: Selbst wenn man es schafft unter den magischen 3,5 Tonnen Gewicht zu bleiben, stellt sich die nächste Frage: Mit welchem Fahrzeug wollt ihr dieses Gewicht ziehen. Der durchschnittliche Mittelklassewagen ist für dieses Gewicht nicht zugelassen, ihr braucht be jedem Umzug oder jeder Reise also ein ziemlich dickes Auto oder eine andere Art von Zugfahrzeug.
  8. Ressourcen: Prinzipiell sollte man sich bei einem Haus, das zum Wohnen an einem Ort steht doch lieber die unnötigen Ressourcen für einen Anhängerunterbau sparen. Wer hingegen lieber reisen möchte, für den wurde schon vor Jahrzehnten der Wohnwagen erfunden.
  9. Baugenehmigung: Für jeden neuen Ort an dem ihr etwas länger wohnen wollt benötigt ihr eine Baugenehmigung. Die wiederum bekommt ihr nur, wenn der entsprechende Bebauungsplan auch Tiny Houses zulässt. Und der kostet jedes Mal erneut.
  10. Erschließung: Wohnen ist in Deutschland nur auf erschlossenen Grundstücken erlaubt. Das bedeutet aber auch, ihr müsst euch bei jedem Umzug mit den jeweiligen Wasser- und Elektrizitätswerken auseinandersetzen um den Anschluss ans Netz zu veranlassen.
  11. Versicherung: Es dürfte nahezu unmöglich sein für ein Haus auf Rädern eine Gebäudeversicherung zu erhalten, da diese ja primär für Gebäude auf einem Fundament ausgelegt sind. Bei Feuer, Wasser- oder Sturmschäden bleibt man dann auf dem Schaden sitzen.

Diese Liste ließe sich bestimmt noch um einige Punkte verlängern, zeigt aber schon ganz gut, welcher Probleme man sich bei der Entscheidung für ein THOW bewusst sein muss. Fast alle diese Punkte lassen sich mit einer anderen Bauform umgehen.

Photo by Niv Rozenberg on Unsplash

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Kategorie:Tiny House
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2 Kommentare

  • 19. Dezember 2017 am 04:05
    Thomas

    Danke – erfrischend. Gute Einwände / Entscheidungshilfen

    Antworten
  • 18. Juli 2018 am 15:32
    Kevin Fischer

    Das sind zwar alles Argumente, aber genauso git gibt es auch Argumente zum festen Tiny Haus. Dies brauch ein Fundament, Baugenehmigung etc, und kann eben nicht mit umziehen. Ein Container hingegen kostet auch extra, hat eine denkbar schlechte Isolationsfähigkeit und nicht die Raumhöhe wie ein Tiny House. Der Umzug geht nur mit Spedition (LKW und Kran) das ist teuer und man kommt nicht in kleine Grundstücke.

    Ich denke man muss sich mit den Dingen auseinander setzen. Für die meisten Probleme gibt es auch einfache Lösungen.

    Sicherheitsglass brauch man nicht, man muss nur die Fenster abdecken.

    Versicherung ist gar kein Problem.

    Lieferwagen kann man mieten und da auch gleich seine restlichen Sachen reinpacken. Macht man bei normalen Umzügen auch.

    Zum Tüv muss man ja nur wenn es auch bewegt wird, also zum Umzug. Ansonsten kann man es abmelden. Aber selbst die Haftpflicht kostet nur 15 Euro im Jahr. Hausratversicherung kann man ebenfalls abschließen.

    Antworten

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