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Anschlusszwang: Ohne Abwasser geht es meistens nicht

Der folgende Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Er kann und will jedoch keine Rechtsberatung darstellen oder diese ersetzen.

Eine der Traumvorstellungen vieler Tiny House Besitzer und Bewohner ist, dass mit der neuen Wohnform auch eine gewisse Freiheit einhergeht, wenn es um die Ver- und Entsorgung geht. Dem ist leider nicht so. Während dies zum Beispiel beim Strom inzwischen möglich ist, gibt es in anderen Bereichen feste Regeln und Gesetze.

Einer dieser Bereiche ist die Abwasser Entsorgung. Dazu wollen wir uns zuerst einmal anschauen, was der Gesetzgeber als Abwasser definiert:

Abwasser ist das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften veränderte Wasser […]

Grob gesagt, alles was ihr aus der Leitung zapft (oder was vom Himmel kommt) und früher oder später nach Nutzung wieder weg muss.

Gesetzliche Regelungen zum Abwasser

Und genau diese Entsorgung des Abwassers wird in Deutschland kommunal geregelt. Es gibt also kein Abwassergesetz der Bundesrepublik, entsprechende Regelungen finden sich aber unter Umständen in den Bauordnungen der einzelnen Bundesländer. Hier nur exemplarisch Artikel §44 der Bauordnung für das Land Berlin:

Grundstücke, auf denen Abwasser anfallen und die an betriebsfähig kanalisierten Straßen liegen oder die von solchen Straßen zugänglich sind, sind an die öffentliche Entwässerung anzuschließen, sobald die Entwässerungsleitungen betriebsfähig hergestellt sind (Anschlusszwang). […]

Eine Übersicht der einzelnen Landesbauordnungen findet sich auf der Webseite http://www.bauordnungen.de/.

In Deutschland liegt fast überall ein Anschlusszwang für die Abwasserentsorgung vor.

Alternativ findet man die maßgeblichen Regelungen aber auch ganz direkt in den Verordnungen der einzelnen Städte und Gemeinden. So lautet zum Beispiel §3 der Abwassergebührensatzung für Stuttgart ganz ähnlich dem Länderbeispiel aus Berlin:

Der Eigentümer eines Grundstücks, auf dem Abwasser anfällt, ist nach näherer Bestimmung dieser Satzung berechtigt und verpflichtet, sein Grundstück an die öffentlichen Abwasseranlagen anzuschließen, diese zu benutzen und das auf dem Grundstück anfallende Abwasser der Stadt zu überlassen; daneben ist auch der Besitzer verpflichtet, den Anschluss zu benutzen und das bei ihm anfallende Abwasser der Stadt zu überlassen. […]

Entsprechende Satzungen und Verordnungen lassen sich entweder im Internet recherchieren oder sind auf Anfrage bei der entsprechenden Gemeinde erhältlich.

Befreiung vom Anschlusszwang und Nutzungszwang

In einigen Gemeinden sind Ausnahmen von dem geltenden Anschlusszwang möglich. Das ist meistens dann der Fall, wenn der Eigentümer nachweisen kann, dass er eine entsprechende Kleinkläranlage auf seinem Grundstück vorhält und das Wasser selbst ordnungsgemäß beseitigen kann. Die Kosten für die Errichtung einer eigenen Kläreinrichtung dürften in den meisten Fällen ähnlich hoch sein wie der Anschluss ans Abwassernetz.

Kosten für die Abwasser Erschließung

Abwasser Rechner der Berliner Wasserbetriebe

Abwasseranschluss Rechner der Berliner Wasserbetriebe

Um sich über die Kosten klar zu werden, wenn das gewünschte Grundstück noch keinen Abwasseranschluss hat, kann man beispielsweise einmal den entsprechenden Rechner der Berliner Wasserbetriebe befragen. Bei einer angenommen Grundstückslänge (Straßenseite) von nur 15 Metern und einem Kanalverlauf gerade einmal 2 Meter vor der Grundstücksgrenze liefert dieser bereits Erschließungskosten von über 5.000 Euro.

Solltet ihr euer Tinyhouse also auf einem Grundstück errichten wollen, welches noch nicht mit Abwasser erschlossen ist, holt euch bei den zuständigen Stellen also besser noch vor dem Kauf des Grundstücks ein Angebot für einen Abwasseranschluss ein.

ImageCredits: AndreasLinden @ Pixabay

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Kategorie:Recht
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2 Kommentare

  • 13. März 2018 am 14:39
    Wellenreiterin

    Ausweg: wenn das Tiny House auf einem bereits erschlossenen Grundstück mit angeschlossenem Haupt-Gebäude steht, kann es als Nebengebäude (Gartenhaus, Schuppen…) deklariert werden und muss dann natürlich nicht angeschlossen werden. Statt eines WC kann z.B. eine Komposttoilette dienen.

    Antworten
    • 13. März 2018 am 14:57
      Jens Wiese

      Wenn es Baurechtlich ein Nebengebäude ist, darf allerdings auch niemand drin wohnen. Da beißt sich dann die Katze in den Schwanz.

      Antworten

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